Positionspapier

#StopTheWaste – Bewegung

Positionspapier zu Lebensmittelverschwendung

  1. Einleitung

Wir FÖJler*innen des diesjährigen Jahrgangs 2018/19 schließen uns bundesweit zusammen und sagen der Lebensmittelverschwendung hiermit den Kampf an. Mit der Demonstration am 2. Juni 2019 in Berlin tragen wir die StopTheWaste-Bewegung in die Welt, die ein Anti-Wegwerfgesetz für Groß- und Einzelhandel fordert.

  • Lage in Deutschland

Die weltweite Verschwendung an Lebensmitteln beläuft sich jährlich auf rund 1,3 Mrd. Tonnen, davon trägt Deutschland etwa 18 Mio. t. Dies entspricht etwa einem Drittel dessen, was in Deutschland jährlich an Lebensmitteln verbraucht wird (54,5 Mio. Tonnen/ Jahr).

Die Verschwendung lässt sich wie auch der Verbrauch entlang der Wertschöpfungskette nachvollziehen. So findet man in den verschiedenen Bereichen unterschiedlich hohe Werte. Allein 2,58 t lassen sich jährlich auf Verteilungsverluste im Groß- und Einzelhandel zurückführen. “Von den 18 Mio. t Lebensmittelabfall sind über 60 % auf die Wertschöpfungskette – vom Produzenten bis hin zum Großverbraucher (Gastronomie, Betriebsküchen) – zurückzuführen. Fast 40 % liegen beim Endverbraucher. Dabei ist nach heutigen Kenntnissen das Vermeidungspotential von den insgesamt etwa 10 Mio. t vermeidbaren Lebensmittelabfällen mit fast 5 Mio. t am höchsten beim Endverbraucher. Ebenfalls beachtlich ist mit über 5 Mio. t aber auch das Vermeidungspotenzial bei den Großverbrauchern sowie auf der Ebene des Einzel- und des Großhandels.” (Studie “Das große Wegwerfen”, WWF 2016)

Abb. 1 Lebensmittelverluste entlang der Wertschöpfungskette (Quelle: WWF 2016)

Es wäre möglich den Verlust dieser Lebensmittel auf 8 Mio. t pro Jahr zu reduzieren, also um mehr als 50%, zu denen Deutschland sich bereits 2015 verpflichtet hat. Das liegt unter anderem daran, dass häufig Lebensmittel aussortiert oder weggeschmissen werden, nur weil sie ästhetisch nicht mehr ansprechend sind. Sei es, weil die Banane ein klein wenig Braun geworden ist, oder weil der Apfel nicht perfekt rund ist, oder gar die Farbe nicht stimmt: solche Dinge werden als Grund gesehen ein Produkt nicht zu kaufen, was dazu führt, dass der Händler darauf sitzen bleibt und hinterher verdorbene Lebensmittel oder welche, die es über das Wochenende schlecht werden könnten wegzuschmeißen. Außerdem sind wir es heutzutage gewohnt, an sämtliche Lebensmittel ganzjährig zu gelangen, was dazu führt, dass wir einen nicht vorhersehbares Kaufverhalten an den Tag legen. Ein Händler kann nicht wissen auf was der Kunde heute Lust hat oder gar morgen kaufen wird.

Wir hätten die Möglichkeit mit der Menge an weltweit produzierten Lebensmitteln die ganze Welt (Anfang 2019 etwa 7,6 Milliarden Menschen) fast zweimal zu ernähren, stattdessen herrscht ein großes Ungleichgewicht. Während wir wegwerfen, leiden andere an Mangelernährung oder verhungern.

Eine Eindämmung der Lebensmittelverschwendung würde sich positiv auf das Klima auswirken. So würden 46 Mio. t Treibhausgase eingespart, wenn die 10 Mio. t an vermeidbaren Verlusten tatsächlichen verhindert würden. Gerade in einer Zeit, in der wir uns so sehr um unsere CO2-Bilanz sorgen, sollten alle Möglichkeiten zur Senkung dieser genutzt werden. Außerdem würde sich unser durchschnittlicher ökologischer Flächenfußabdruck so um 2,6 ha verringern.

  • Andere Länder als Vorreiter

Im Jahr 2016 hat die französische Regierung ein Gesetz zur Lebensmittelverschwendung verabschiedet. Alle Supermärkte mit mindestens 400 Quadratmetern Ladenfläche müssen seitdem alle unverkauften, aber noch essbaren Lebensmittel an Hilfsorganisationen verschenken – wer sich nicht an das Gesetz hält, kann dafür pro Verletzung bis zu 4.500 Euro Strafe erwarten.

Andere europäische Länder wie Tschechien, Belgien und Luxemburg haben ähnliche Gesetze verabschiedet, da Sie Ihre durch die Sustainable Development Goals und die EU gesetzten Ziele scheinbar ernster nehmen als unsere Deutsche Bundesregierung.

  • Forderung an Deutschland

Deutschland hat im Jahr 2015 die Sustainable Development Goals unterzeichnet. Das zwölfte von 17 Zielen ist die Gewährleistung von nachhaltigem Konsums und nachhaltiger Produktion und beinhaltet unter anderem den Punkt: „12.3 Bis 2030 die weltweite Nahrungsmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene halbieren und die entlang der Produktions- und Lieferkette entstehenden Nahrungsmittelverluste einschließlich Nachernteverlusten verringern.“ (www.un.org…..)

Somit ist Deutschland bereits jetzt schon in der Pflicht, etwas gegen die Lebensmittelverschwendung zu unternehmen und mit konkreten Schritten Ihre Verantwortung wahrzunehmen.

Wir sind auch Verbraucher. Deshalb tragen auch wir Mitschuld an der Lebensmittelverschwendung. Doch wir haben uns ein Wochenende lang ausführlich mit dem Thema und unserer eigenen Verantwortung auseinandergesetzt und vieles dazu gelernt, was wir selbst besser machen können. Wir haben in Workshops gelernt, Lebensmittel haltbar zu machen, Initiativen kennengelernt, die es heute schon besser machen und gemeinsam diskutiert, welche Wege wir eingehen können. Jetzt richten wir uns an die Regierung, die die Möglichkeit hat, die anderen Stationen in der Kette der Lebensmittelproduktion zu verändern.

Wir fordern die deutsche Bundesregierung auf, ein Gesetz zu verabschieden, welches Betrieben verbietet noch genießbare Lebensmittel zu entsorgen oder ungenießbar zu machen und gleichzeitig verpflichtet, diese an wohltätige Organisationen zu spenden, wie es Frankreich bereits 2016 getan hat.

Wir sehen das Verbot aber nur als einen ersten Schritt in die nötige Richtung, da mit solch einer Vorschrift nicht alle Probleme beseitigt sind. Daran muss angeknüpft werden. Damit Deutschland sein versprochenes Ziel bis 2030 einhält, müssen unzählige Veränderungen folgen. Als Beispiel wäre das Mindesthaltbarkeitsdatum und die Legalisierung vom Lebensmittelretten (Containern) zu nennen. Fakt ist jedoch, dass die Bundesregierung heute handeln muss, um für uns junge Bürger*innen ein Morgen zu garantieren.