Heute RETTICH die Welt!

Es ist Sonntagnachmittag am ersten Juniwochenende. Ich sitze im ICE, der in Berlin am Hauptbahnhof steht und warte auf die Abfahrt, die sich aufgrund technischer Störungen verspätet. (Nein, erstaunlicherweise hängt es nicht mit der Klimaanlage zusammen, auch wenn es das erste Mal in diesem Jahr über 30°C warm ist.)
Auch wenn sich inzwischen eine leichte Gänsehaut auf meinen Armen und Beinen bildet, bin ich überzeugt: Ich fahre Zug, denn das ist für mich immer noch die ökologischste Möglichkeit zu Reisen! Und es wäre eine Schande die vergangenen Tage nicht im Sinne des Natur- und Umweltschutzes enden zu lassen.
Von Freitag bis heute waren in Berlin die FÖJ Bundesaktionstage (BAT) und ich mit dabei.
Vor circa einem Jahr habe ich mich entschieden etwas Gutes tun zu wollen. Gefühlt hätte ich mit meiner Motivation die Welt retten können. Bin ich in meinem Freiwilligen Ökologischen Jahr zum Weltretter geworden?
Durch meinen Alltag im Naturkindergarten bringe ich den Kindern die Natur ein Stück näher, zeige ihnen was für Pflanzen und Tiere es gibt, sie lernen was unterschiedliche Jahreszeiten bedeuten und ich hoffe, dass unsere Natur dadurch für sie schützenswert wird. Dass sie die Flora und Fauna bestaunen und respektieren, anstatt sich verachtend und bestimmend über alle Ressourcen hinwegzusetzen.
Denkanstoß gegeben, okay, aber noch nicht die Welt gerettet!
Deswegen bin ich mit dem Wunsch, mein Anliegen auf eine andere Dimension zu bringen zu den BAT gefahren. 
Thema unserer drei Tage war Lebensmittelverschwendung. Welcher Film passte da besser als Start und Input als „Taste the Waste“? Den kann man auch auf Netflix gucken (Und sollte man nach dem lesen dieses Artikels auch!), wir haben uns dazu vor einer Leinwand versammelt und während der Beamer warmlief, kam von hinten plötzlich ein Mann nach vorne.
Ein bisschen erinnerte er mich an einen Piraten, mit seinem etwas längeren, grauen Haar, der gebräunten, faltigen Haut, schwarzgrauen Kleidung und einem Funkeln in den Augen.
Mit holländischem Akzent begann er zu reden: „Wisst ihr wer ich bin? Nein? Aber kennt ihr „Fläming Kitchen“? Auch nicht?“
Ich wusste weder wer der Mann war noch was die „Fläming Kitchen“ sein sollte.
„Ich koche dieses Wochenende das Essen für euch. Die“ Fläming Kitchen“ ist meine Küchencrew, die sozusagen aus dem Film entstanden ist, ich habe daran mitgewirkt.“ Ganz nüchtern sagte er das.
Überraschung kam in mir auf, danach Ehrfurcht. Denn immerhin wusste ich, das dieser Film in viele Sprachen übersetzt wurde, nicht nur auf Deutschen Kinoleinwänden lief, mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde und Fakten nennt, die nicht übersehen werden können.
Bevor ich das alles realisiert hatte, war Wam Kat schon wieder nach hinten verschwunden und der Film ging los.
Danach gab es Salat, Reis und Linsencurry für alle.
Die Zutaten dafür allesamt gerettet.
Nach dem zuvor erlangten Wissen kaute man jeden Bissen mit bedacht und mit jedem Bissen ratterten die Zahnräder im Kopf: Wie kann das alles sein? Wieso habe ich bisher in ganz normalen Supermärkten eingekauft, obwohl ich doch eigentlich wusste, dass dort so viel weggeworfen wird? Wieso habe ich eine Gurke noch nie skeptisch betrachtet, weil sie so gerade ist? Wieso wurde noch nichts unternommen, wenn Müllcontainer voller Lebensmittel vernichtet wurden? Wie kann es sein, dass Kleinbauern in Lateinamerika dadurch an Malaria sterben, dass sie sich keine Medizin leisten können, weil europäische Konzerne ihnen die Felder abgesprochen haben? Wie können wir als großzügige und fortschrittliche westliche Länder zulassen, dass unser Anspruch die Armut und Hungersnot vorantreibt, wo wir doch immer für Gerechtigkeit sind? Wieso widern wir uns nicht selbst an?
Ich tat es in diesem Moment!
Aber dann fragte ich mich: Sind es wirklich unsere Ansprüche, dass eine Kartoffel nur eine bestimmte Größe hat? Die Tomate nur einen bestimmten Rotton? Das Mindesthaltbarkeitsdatum frühestens in sechs Tagen erreicht ist, wenn ich ein Produkt kaufen? Generell diese Sache mit dem MHD: Würde ich mich davon abschrecken lassen, wenn es auf Teebeuteln, die ich kaufen will, schon überschritten ist?
Nein! Ich kann diese Fragen mit einem eindeutigem NEIN beantworten.
Mit sehr gutem Essen im Bauch, einer gestärkten Meinung im Herz und guter Musik im Hintergrund malte ich mir ein Demoschild.

Am nächsten Morgen gab es Frühstück mit Backwaren vom Vortag (vom Bäcker gerettet). Die Brötchen waren frischer als die, die es bei mir zu Hause manchmal gibt. Ich habe die vollen Körbe, die Riesen Auswahl, die wir zwischen den „Resten“ hatten, die zum Wegwerfen gedacht waren immer noch vor Augen. Wir waren über 130 Personen, die voll guten Gewissens zugeschlagen haben und am Ende blieb noch etwas übrig, von den Backwaren, die wir von nur einem Geschäft abgeholt hatten.
Ich gesellte mich zu der Küchencrew und teilte meine schockierende Erkenntnis mit ihnen. Ein Koch lachte über die Musik hinweg, schnippelte gut gelaunt weiter einwandfreie Bohnen aus einer Kiste, die wir über Foodsharing bekommen hatten und erklärte: „Essen, das für den Müll bestimmt ist, findet man immer überall genug. Nur wenn wir manchmal für mehrere Tausend Leute kochen wird es mit der Vorbereitung schwierig. Das Problem hatten wir zumindest am Anfang. Dann haben wir einen Aufruf gestartet zur „Schnippeldisco“ wo alle gemeinsam das Gemüse schneiden, wir dann damit kochen und dann gibts Essen und Party für alle. Das klappt so gut, dass wir inzwischen bei Veranstaltungen oft mehr Schnippler als Gemüse haben.“
Meine Vorfreude auf unsere für den Abend geplante Schnippeldisco stieg.
Vorher erweiterten, vertieften und konkretisierten wir unser bisheriges und vom Vortag gesammeltes Wissen: Welches Konzept hat der Berliner Supermarkt Sirplus? Stimmt meine Vorstellung vom Containern? Wie mache ich gerettete Lebensmittel haltbar? Welche rechten Tendenzen gibt es in der Öko Szene?
Leider konnte ich nur zwei von diesen und noch weiteren angebotenen Workshops besuchen. Dadurch verpasste ich auch die nächste Lebensmittelabholung am Wochenmarkt, bekam aber das kulinarische Ergebnis zu genießen.
Die Stimmung heizte sich (wie das Wetter) auf. Wir euphorisierten uns gegenseitig, es machte nichts aus, dass ich zur Ankunft am Freitag niemanden kannte, erst recht nicht Abends, wenn es hieß: „Partyzipation“ oder spontanes Stockbrot, weil bei der Lebensmittelspende Hefeteig dabei war.

Am letzten Morgen aß ich eine Kirsche, die ich mir von der gestrigen Ausbeute mitgenommen hatte.
Bedächtig kaute ich sie und ärgerte mich über dieses Paradoxon: Bei uns in Deutschland gibt es zurzeit noch keine Kirschen. Diese hier musste für den Verkauf importiert worden sein. Hat Unmengen CO2-Emissionen verursacht, wurde von Arbeitskräften in Plastik verpackt und sollte hier dann weggeschmissen werden, während im Ursprungsland die Menschen durch unseren Konsumwahn perspektivlos werden.
Jetzt war auch meine Überzeugung wieder hellwach und ich bereit für die anstehende Demonstration durch Berlin!
Schon zur Anfangskundgebung am Startpunkt blieben die Leute stehen, als wir FÖJler*innen aus ganz Deutschland die Regierung aufforderten:
Wir fordern ein „Anti-Wegwerfgesetz“ damit nicht weiter unnötig viele Lebensmittel weggeworfen und verschwendet werden!
Wir fordern die Bundesregierung auf, sich an ihre gesetzten Ziele zu halten, ihre Verpflichtungen gegenüber der EU und UN, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 um mindestens 50% zu reduzieren, einzuhalten!
Wir fordern konkrete Handlungen und zwar jetzt! 
Wir machten uns auf den Weg, vorbei am Ernährungsministerium.
Wir riefen „STOP THE WASTE, START THE TASTE!“
Wir sangen zu der Melodie von „Hejo spann den Wagen an“ „Währt euch, leistet Widerstand, gegen die Verschwendung hier im Land, rettet unser Essen, rettet unser Essen!“
Wir tanzten, zeigten uns und trafen am Brandenburger Tor auf noch mehr Gleichgesinnte, beim diesjährigen Umweltfestival. Plötzlich war Lebensmittelverschwendung nur einer von vielen Umweltaspekten, für die sich ein großer Teil der Bevölkerung inzwischen deutlich ausspricht.
Das Gefühl war bei mir auf einmal ganz stark: Ich dachte bisher „Okay wir werfen viel Essen weg, aber nur das, was keiner mehr essen will und das würde eh nicht für alle reichen, so wie es immer behauptet wird.“
Doch, würde es, sogar 3x, ich habe die Mengen gesehen! 
Ich bin mit meiner Denkweise nicht allein, die Bereitschaft zum freiwilligen ökologischen Handeln ist da und sie ist stark und wird so schnell nicht verschwinden! 
Zufrieden machte ich mich irgendwann später auf den Nach-Hause-Weg.
An einer Ampel kam ich nicht weiter. Der Strom an Radfahren, die bei der Sternfahrt des Festivals mitmachten riss auch nach 20 Minuten nicht ab.
Während ich staunte, kam mir plötzlich ein altbekannter Spruch in Erinnerung: „Du bist, was du isst!“
Bisher hatte ich ihn auf Gesunde Ernährung bezogen. Wenn du gesund isst, bist du gesund. Wenn ich wie die vergangenen Tage Essen aus Mülltonnen gegessen habe, bin ich dann Müll?
Nein! Denn das Essen in den Mülltonnen ist kein Müll! Das Essen ist gerettet! Also habe ich mein Ziel erreicht: für die letzten drei Tage war ich eine Retterin!
Vielleicht keine Weltretterin, aber zumindest eine Lebensmittelretterin und vielleicht auch eine Meinungsretterin, die mit ihrer Botschaft noch ein paar mehr Menschen erreicht und zum Handeln gebracht hat.
Für den Moment ist das unglaublich viel und ich habe nicht vor, solche Momente weniger werden zu lassen, auch wenn mein FÖJ im August endet.

von Ida Mittag

Einfach DANKE!

Ein Herz von all unseren Teilnehmer*innen für die tolle Unterstützung

Wir als AK-BAT waren nicht alleine in der Lage die Bundesaktionstage in ihrer vollen Blüte auf die Beine zu stellen. Denn für eine solche Aktion benötigt man, wie in unserem Fall, Verpflegung für über 100 Menschen und einen Ort an dem man die ganzen Leute unter- bzw zusammenbekommen kann.
Aus diesem Grund werden wir euch nun unsere Unterstützer vorstellen, ohne die die Bundesaktionstage einfach nicht so möglich gewesen wären, wie sie waren. Denn sie waren fantastisch.

Ein dickes Danke geht an alle Helfer*innen vor Ort, die immer eingesprungen sind, wenn es mal hakte. Ihr habt uns super unterstützt und dafür gesorgt, dass unsere Planung genauso umgesetzt werden konnte. Ob Barschicht oder Bänke schleppen, es war immer jemand zur Stelle. DANKE für an die FÖJ-Familie!

Danke an den FÖJ-AKTIV e.V. ihr habt uns einiges abnehmen und lehren können, so dass wir die ganze Buchhaltung wuppen konnten. Auch vor Ort wart ihr für uns da, danke! Ohne euch hätten wir einiges gar nicht erst geschafft.

BUNDjugend Berlin wir danken auch euch für die tolle Unterstützung mit verschiedenem Equipment und einem Workshop! Genauso auch ein Dank an Jugendwerk Aufbau Ost ,dass ihr uns Material zur Verfügung gestellt habt.

Danke auch an alle Sponsoren, ohne die einfach gar nichts gelaufen wäre.
Wir danken RENN.mitte, Vegeterra Stiftung und LUSH, Stiftung Naturschutz Berlin.
Ihr habt uns ermöglicht eine großartige Location anzumieten, sowie Bands und DJs zu engagieren und damit drei großartige Tage mit unserer FÖJ-Familie zu verbringen!

Ein unfassbar großes Dankeschön gilt auch den Leuten, die einen Großteil zu unserer Verpflegung beigetragen haben und an die, die uns so wunderbar bekocht haben.
Danke Fläming Kitchen, dass ihr gemeinsam mit uns gekocht habt; foodsharing, dass ihr gemeinsam mit uns gerettet habt; Alnatura und Zwergenwiese, dass ihr gespendet habt!

Es geht auch ein Dank an unsere Haupt-Location, wo wir uns an allen Tagen treffen konnten und gemeinsam mit dem Thema auseinander setzten konnten. Danke an das Team der Linse, es war eine klasse Location!
Auch die Schlaflager waren super. Danke an das Steinhaus, die Falkenburg und das Pfadfinderlager.

Ohne Workshops wäre der Samstag doch recht leer und langweilig geworden. Deshalb ein Danke an alle Referent*innen, die uns zu verschiedensten Bereichen der „Lebensmittelwelt“ etwas erzählt haben!

Der größte Dank geht an alle FÖJler*innen, die da waren, ohne euch wäre alles weiter überflüssig gewesen und die BAT hätten gar nicht stattgefunden! Euer Interesse und Spaß an der Sache, war beglückend!

DANKE an ALLE, die unsere Bundesaktionstage möglich gemacht haben! Wir hätten sie uns nicht besser wünschen können!

Pressespiegel

Kurz vor der Demo stand eine Kuschelschnecke als kleines WUP auf dem Programm #FÖJFamilie

Die Bundesaktionstageund damit die #StopTheWaste- Demo sind nun vorüber.
Hier bekommt ihr einen kleinen Überblick über die Presseresonanz:

BZ-Berlin
„Rund 150 Menschen demonstrierten heute früh gegen Lebensmittel- und Ressourcenverschwendung protestiert. Aktive des Freiwilligen Ökologischen Jahrs (FÖJ) aus ganz Deutschland sowie einige Unterstützer zogen vom Gendarmenmarkt über das Ernährungsministerium zum Umweltfestival am Brandenburger Tor. „

Berliner Zeitung
„Aktive des Freiwilligen Ökologischen Jahrs (FÖJ) protestieren heute in Berlin gegen Ressourcen- und Lebensmittelverschwendung. Der Zug startet um 10.30 Uhr am Gendarmenmarkt und zieht dann über das Ernährungsministerium zum Umweltfestival am Brandenburger Tor, wie die Organisatoren mitteilten. Sie rechnen mit rund 250 Teilnehmern. Die Demonstration ist Teil der Bundesaktionstage des FÖJ. „

Welt, n-tv, RTL
„Rund 150 Menschen haben nach Veranstalterangaben am Sonntag in Berlin gegen Lebensmittel- und Ressourcenverschwendung protestiert. Aktive des Freiwilligen Ökologischen Jahrs (FÖJ) aus ganz Deutschland sowie einige Unterstützer zogen am Vormittag vom Gendarmenmarkt über das Ernährungsministerium zum Umweltfestival am Brandenburger Tor. Mit Plakaten, auf denen «Stop the Waste, Start the Taste» oder «Foodshaming – Nein, danke» stand, forderten sie die Bundesregierung dazu auf, die Lebensmittelverschwendung in Deutschland einzudämmen. „

rbb
ab 11 Minuten und 30 Sekunden & hier noch auf Facebook

taz
“ „Warum muss immer alles verfügbar sein? Warum müssen die Auslagen in den Bäckereien um 18 Uhr noch voll sein? Und nachher sind die Mülleimer voll mit wunderbarem Essen?“ Die Fragen, die die junge Rednerin auf der Demonstration „#StopTheWaste – Stoppt die Lebensmittelverschwendung“ am Sonntagvormittag stellt, sind natürlich rhetorisch gemeint. Mit Johlen und Pfeifen signalisieren ihre ZuhörerInnen volle Zustimmung. Genießbare Lebensmittel wegwerfen? Geht gar nicht, finden die rund 120 jungen Menschen, die mit phantasievoll bemalten Pappschildern und Musik über den heißen Asphalt der Friedrichstadt ziehen. „

berliner Morgenpost

„Die Demonstration ist Teil der Bundesaktionstage des FÖJ. Die Teilnehmer beschäftigen sich dabei ein Wochenende lang mit dem Thema Lebensmittelverschwendung. Während ihrer Veranstaltungen im Jugendclub Linse in Lichtenberg aßen sie ausschließlich überschüssige Lebensmittel, die sie bei Bäckereien und einem Markt gesammelt hatten. Bei ihrem Umzug verteilten sie am Sonntag unter anderem Backwaren, die davon übrig geblieben waren, an Passanten.“



Pressemitteilung

Mitteilung zur Demonstration am 02.06.2019

#StopTheWaste – Stoppt die Lebensmittelverschwendung

Zeit:      Sonntag, 02.06.2019, 10:30 bis 12:00 Uhr

Ort:       Gendarmenmarkt, Berlin (Beginn), Brandenburger Tor (Ende)

Mit:       Aktiven des aktuellen Jahrgangs des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ)

Wir gehen heute, am 02. Juni 2019 in Berlin auf die Straße, um die Bundesregierung zu sofortigem Handeln zu drängen.

Wir möchten, dass ein „Anti-Wegwerfgesetz“ für Lebensmittel verabschiedet wird. Es sollen nicht weiter unnötig viele Lebensmittel weggeworfen (10 Mio. t sind vermeidbar) und verschwendet werden. Es muss etwas passieren und zwar jetzt.

Die Bundesregierung muss sich an die Ziele halten, die sie sich gesetzt hat. Sowohl durch die EU als auch durch die UN haben sie sich dazu verpflichtet die Lebensmittelverschwendung bis 2030 um mindestens 50% zu reduzieren. Im Gegensatz zu Ländern wie Frankreich, Belgien, Tschechien und Luxemburg scheint jedoch die Bundesregierung nach wie vor mit konkreten Handlungen auf sich warten zu lassen.

Ein Drittel dessen, was wir in Deutschland an Lebensmitteln produzieren wird weggeworfen. Es handelt sich dabei um 18 Millionen Tonnen. 2,58 Tonnen gehen im Groß- und Einzelhandel verloren. Frankreich (Bsp.) ging 2016 mit einem guten Beispiel voran und setzte ein Verbot auf, um die Verschwendung in diesem Sektor zu minimieren. Das war ein guter erster Schritt. Es darf aber nicht der Letzte sein! Es muss weiter gehen! Lebensmittel werden überall entlang der Wertschöpfungskette verschwendet.

Wir brauchen ein „Anti-Wegwerfgesetz“ und zwar jetzt!

Pressekontakt:

Elisabeth Sparsbrod, FÖJ-Bundesdelegierte, Tel. 0176/50912158, E-Mail: stopthewaste@foej.net

Informationen zur Demonstration:

Positionspapier

#StopTheWaste – Bewegung

Positionspapier zu Lebensmittelverschwendung

  1. Einleitung

Wir FÖJler*innen des diesjährigen Jahrgangs 2018/19 schließen uns bundesweit zusammen und sagen der Lebensmittelverschwendung hiermit den Kampf an. Mit der Demonstration am 2. Juni 2019 in Berlin tragen wir die StopTheWaste-Bewegung in die Welt, die ein Anti-Wegwerfgesetz für Groß- und Einzelhandel fordert.

  • Lage in Deutschland

Die weltweite Verschwendung an Lebensmitteln beläuft sich jährlich auf rund 1,3 Mrd. Tonnen, davon trägt Deutschland etwa 18 Mio. t. Dies entspricht etwa einem Drittel dessen, was in Deutschland jährlich an Lebensmitteln verbraucht wird (54,5 Mio. Tonnen/ Jahr).

Die Verschwendung lässt sich wie auch der Verbrauch entlang der Wertschöpfungskette nachvollziehen. So findet man in den verschiedenen Bereichen unterschiedlich hohe Werte. Allein 2,58 t lassen sich jährlich auf Verteilungsverluste im Groß- und Einzelhandel zurückführen. “Von den 18 Mio. t Lebensmittelabfall sind über 60 % auf die Wertschöpfungskette – vom Produzenten bis hin zum Großverbraucher (Gastronomie, Betriebsküchen) – zurückzuführen. Fast 40 % liegen beim Endverbraucher. Dabei ist nach heutigen Kenntnissen das Vermeidungspotential von den insgesamt etwa 10 Mio. t vermeidbaren Lebensmittelabfällen mit fast 5 Mio. t am höchsten beim Endverbraucher. Ebenfalls beachtlich ist mit über 5 Mio. t aber auch das Vermeidungspotenzial bei den Großverbrauchern sowie auf der Ebene des Einzel- und des Großhandels.” (Studie “Das große Wegwerfen”, WWF 2016)

Abb. 1 Lebensmittelverluste entlang der Wertschöpfungskette (Quelle: WWF 2016)

Es wäre möglich den Verlust dieser Lebensmittel auf 8 Mio. t pro Jahr zu reduzieren, also um mehr als 50%, zu denen Deutschland sich bereits 2015 verpflichtet hat. Das liegt unter anderem daran, dass häufig Lebensmittel aussortiert oder weggeschmissen werden, nur weil sie ästhetisch nicht mehr ansprechend sind. Sei es, weil die Banane ein klein wenig Braun geworden ist, oder weil der Apfel nicht perfekt rund ist, oder gar die Farbe nicht stimmt: solche Dinge werden als Grund gesehen ein Produkt nicht zu kaufen, was dazu führt, dass der Händler darauf sitzen bleibt und hinterher verdorbene Lebensmittel oder welche, die es über das Wochenende schlecht werden könnten wegzuschmeißen. Außerdem sind wir es heutzutage gewohnt, an sämtliche Lebensmittel ganzjährig zu gelangen, was dazu führt, dass wir einen nicht vorhersehbares Kaufverhalten an den Tag legen. Ein Händler kann nicht wissen auf was der Kunde heute Lust hat oder gar morgen kaufen wird.

Wir hätten die Möglichkeit mit der Menge an weltweit produzierten Lebensmitteln die ganze Welt (Anfang 2019 etwa 7,6 Milliarden Menschen) fast zweimal zu ernähren, stattdessen herrscht ein großes Ungleichgewicht. Während wir wegwerfen, leiden andere an Mangelernährung oder verhungern.

Eine Eindämmung der Lebensmittelverschwendung würde sich positiv auf das Klima auswirken. So würden 46 Mio. t Treibhausgase eingespart, wenn die 10 Mio. t an vermeidbaren Verlusten tatsächlichen verhindert würden. Gerade in einer Zeit, in der wir uns so sehr um unsere CO2-Bilanz sorgen, sollten alle Möglichkeiten zur Senkung dieser genutzt werden. Außerdem würde sich unser durchschnittlicher ökologischer Flächenfußabdruck so um 2,6 ha verringern.

  • Andere Länder als Vorreiter

Im Jahr 2016 hat die französische Regierung ein Gesetz zur Lebensmittelverschwendung verabschiedet. Alle Supermärkte mit mindestens 400 Quadratmetern Ladenfläche müssen seitdem alle unverkauften, aber noch essbaren Lebensmittel an Hilfsorganisationen verschenken – wer sich nicht an das Gesetz hält, kann dafür pro Verletzung bis zu 4.500 Euro Strafe erwarten.

Andere europäische Länder wie Tschechien, Belgien und Luxemburg haben ähnliche Gesetze verabschiedet, da Sie Ihre durch die Sustainable Development Goals und die EU gesetzten Ziele scheinbar ernster nehmen als unsere Deutsche Bundesregierung.

  • Forderung an Deutschland

Deutschland hat im Jahr 2015 die Sustainable Development Goals unterzeichnet. Das zwölfte von 17 Zielen ist die Gewährleistung von nachhaltigem Konsums und nachhaltiger Produktion und beinhaltet unter anderem den Punkt: „12.3 Bis 2030 die weltweite Nahrungsmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene halbieren und die entlang der Produktions- und Lieferkette entstehenden Nahrungsmittelverluste einschließlich Nachernteverlusten verringern.“ (www.un.org…..)

Somit ist Deutschland bereits jetzt schon in der Pflicht, etwas gegen die Lebensmittelverschwendung zu unternehmen und mit konkreten Schritten Ihre Verantwortung wahrzunehmen.

Wir sind auch Verbraucher. Deshalb tragen auch wir Mitschuld an der Lebensmittelverschwendung. Doch wir haben uns ein Wochenende lang ausführlich mit dem Thema und unserer eigenen Verantwortung auseinandergesetzt und vieles dazu gelernt, was wir selbst besser machen können. Wir haben in Workshops gelernt, Lebensmittel haltbar zu machen, Initiativen kennengelernt, die es heute schon besser machen und gemeinsam diskutiert, welche Wege wir eingehen können. Jetzt richten wir uns an die Regierung, die die Möglichkeit hat, die anderen Stationen in der Kette der Lebensmittelproduktion zu verändern.

Wir fordern die deutsche Bundesregierung auf, ein Gesetz zu verabschieden, welches Betrieben verbietet noch genießbare Lebensmittel zu entsorgen oder ungenießbar zu machen und gleichzeitig verpflichtet, diese an wohltätige Organisationen zu spenden, wie es Frankreich bereits 2016 getan hat.

Wir sehen das Verbot aber nur als einen ersten Schritt in die nötige Richtung, da mit solch einer Vorschrift nicht alle Probleme beseitigt sind. Daran muss angeknüpft werden. Damit Deutschland sein versprochenes Ziel bis 2030 einhält, müssen unzählige Veränderungen folgen. Als Beispiel wäre das Mindesthaltbarkeitsdatum und die Legalisierung vom Lebensmittelretten (Containern) zu nennen. Fakt ist jedoch, dass die Bundesregierung heute handeln muss, um für uns junge Bürger*innen ein Morgen zu garantieren.

Deutsche Aktionstage Nachhaltigkeit

Die BAT sind eine Aktion der Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit (DAN) vom 30. Mai bis zum 5. Juni 2019. Diese wiederum sind ein Teil der europäischen Nachhaltigkeitswoche.

„Ziel der Aktionstage ist es, vorbildliches Engagement in ganz Deutschland sichtbar zu machen, öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Nachhaltigkeit zu erregen und mehr Menschen zu einem nachhaltigen Handeln zu bewegen. Jeder kann etwas zum Besseren verändern. In diesem Sinne richten sich die Aktionstage Nachhaltigkeit an alle Menschen in Deutschland. Und je mehr Menschen mitmachen, umso stärker ist das Signal, das wir gemeinsam mit den Deutschen Aktionstagen Nachhaltigkeit senden.“*

Jeder hat die Möglichkeit seine eigene Aktion im Rahmen der DAN 2019 zu starten!

Quelle *: https://www.tatenfuermorgen.de/deutsche-aktionstage-nachhaltigkeit/

BUNDjugend Berlin

Die BUNDjugend Berlinunterstützt die Bundesaktionstage mit einem Workshop, der von Therese Stephan vom LauRes (Arbeitskreis Landwirtschaft undRessourcen) durchgeführt wird.

Außerdem tollen Support erfahren wir durch Fabian Gacon, der ein ehemaliger FÖJler in der Bundesgeschäftsstelle des BUND und nun Landesvorstandsmitglied bei der BUNDjugend Berlin ist.
Er hilft unserem Team mit wertvollen Ratschlägen & Expertise, die er uns aufgrund seines großen Erfahrungsschatzes mit der Organisation der BAT 2016/17 geben kann.

BAT 2019 – jetzt anmelden!

Liebe Mit-FÖJler*innen,
hiermit laden wir euch herzlich zu den Bundesaktionstagen 2019 vom 31. Mai bis 02. Juni 2019 in Berlin ein. Ganz nach unserem Motto „Willst du mit mir essen (retten) gehen?“ werden wir das ganze Wochenende dem Beenden der aktuellen Lebensmittelverschwendung widmen. Im Zuge dessen veranstalten wir unter anderem eine Demo, spannende Workshops und eine Schnippeldisco mit Livemusik.

Warum Thema Lebensmittelverschwendung?
Etwa 18 Millionen Tonnen Lebensmittel wurden 2012 laut einer Studie des WWF in Deutschland verschwendet, pro Kopf ist das ein halbes Kilo täglich. Wie kann das sein? In Deutschland gibt es keine Regelung, die das übermäßige Verschwenden von Lebensmitteln verbietet. Daher werden in allen Bereichen der Lebensmittelproduktion sowie des Verkaufs ungehindert Nahrungsmittel aufgrund des Ablaufens des Mindesthaltbarkeitsdatums oder eines vermeintlich unansehnlichen Erscheinungsbildes entsorgt.

Um dieser Verschwendung Einhalt zu gebieten, freuen wir uns, wenn wir mit vielen von euch in Berlin die Bundesaktionstage 2019 rocken!

Bis bald!
Euer Bundesarbeitskreis _Bundesaktionstage_

 

Was erwartet dich?

Unser Rahmen für das Programm am BAT Wochenende steht!

Wir zeigen dir, wie facettenreich das Thema „Lebensmittel Verschwendung“ ist und was man dagegen tun  kann.

An erster Stelle steht aber ganz groß die FÖJ-Familie und somit das Wir, dadurch natürlich auch der Spaß, den wir ganz bestimmt gemeinsam haben werden :).

Wir freuen uns auf dich!

Noch nicht angemeldet? Dann melde dich hier an!